Nach vier Jahren verabschieden wir uns von der Präsidentin und CEO der AHK Slowenien. Ihr Mandat begann in einer Zeit großer Herausforderungen, geprägt von politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten auf globaler Ebene. Mit Weitblick, Engagement und großem Einsatz hat sie die AHK Slowenien erfolgreich durch diese Phase geführt und wichtige Impulse für den bilateralen Dialog gesetzt. Ihr Wirken hat nachhaltige Spuren hinterlassen und die deutsch-slowenischen Wirtschaftsbeziehungen weiter gestärkt.
Sie haben vier Jahre in Slowenien verbracht. Wenn Sie zurückblicken – was werden Sie aus dieser Zeit am meisten in Erinnerung behalten, sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht?
In den vergangenen vier Jahren durfte ich Slowenien ein wenig kennenlernen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich habe ein Land und seine Menschen erlebt, die ausgesprochen ambitioniert sind – beim Sport, im Bereich Innovation, in Industrie und im Handel mit Deutschland, Europa und weltweit. Privat habe ich die große Heimatverbundenheit der Sloweninnen und Slowenen bewundert, ihre Liebe zur Natur und auch zur Kulinarik. Als Bayerin habe ich mich dabei sehr wiedergefunden.
Welche ersten Eindrücke hatten Sie bei Ihrer Ankunft in Slowenien, und wie haben sich diese im Laufe der Zeit verändert?
Der erste Eindruck war ganz klar dominiert von der Schönheit des Landes. Bei jeder Dienstreise in Slowenien war ich überwältigt von der Landschaft – der Karstregion, den Alpen, den Hügeln und Weinbergen, der Pannonischen Ebene und natürlich dem Meer. Später dann kämpfte ich - wie alle Sloweninnen und Slowenen auch - mit den Hürden der Verwaltung, mit der Langsamkeit von Verfahren und mit Widerständen gegen die Öffnung des Landes für europäische Standards.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung der deutsch-slowenischen Wirtschaftsbeziehungen in den letzten vier Jahren?
Grundsätzlich sind die deutsch-slowenischen Wirtschaftsbeziehungen mehr als beeindruckend. Slowenien ist ein wichtiger Wirtschaftspartner für Deutschland und mit einem Handelsvolumen von ca. 15 Mrd. Euro die Nummer eins in der Region nach Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Mit leichten Schwankungen blieben die Werte in den letzten vier Jahren konstant mit einer Tendenz nach oben. Natürlich dürfen wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. Gerade die Herausforderungen in der Automobilindustrie und bei seinen Zulieferern durch grüne Transformation und wachsende Konkurrenz aus China zwingt uns, neue Formen der Zusammenarbeit zu finden. Es bieten sich eine Reihe von Sektoren an wie Sicherheit und Verteidigung, Raumfahrt, Digitalisierung. Die Innovationskraft der slowenischen Wirtschaft kommt dem sehr entgegen.
Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie für die slowenische Wirtschaft in Zukunft?
Die größte Herausforderung, die ich sehe, ist das Verständnis für Wirtschaft im Land. Als Deutsche, die mit den Segnungen der sozialen Marktwirtschaft groß geworden ist, bin ich irritiert über den vermeintlichen Gegensatz, den ich in Slowenien zwischen Wirtschaft und Gesellschaft spüre. Eine florierende, nachhaltige und innovative Wirtschaft ist die Basis für gesellschaftlichen Wohlstand. Diese Gleichung kommt mir in Slowenien zu kurz. Die Unternehmen sind nicht Gegner und auch nicht Zahlmeister der Gesellschaft. Ihr wirtschaftlicher Erfolg ist die Basis für ein gelingendes und finanzierbares soziales Miteinander. Ich würde mir wünschen, dass das Verständnis hierfür wächst.
Was hat Sie an der slowenischen Kultur oder Lebensweise besonders begeistert oder überrascht?
Vielen Dank für diese Frage. Alle, die mich kennen, wissen auch gleich die Antwort: Am meisten genossen habe ich die Kulinarik in Slowenien. Ich war noch an keinem Standort – Deutschland eingeschlossen – an dem man so ausgezeichnet essen und trinken konnte und an dem so viel Wert auf Qualität und Geschmack gelegt wurde.
Kehren Sie mit Inspiration aus Slowenien zurück, die Sie in Ihren Alltag oder Ihr berufliches Leben einfließen lassen möchten?
Inspiriert hat mich tatsächlich die Fähigkeit der Sloweninnen und Slowenen, Beruf und Freizeit in Balance zu halten. In Deutschland vergessen wir gerne schon mal, neben der Arbeit auch noch zu leben. Das habe ich hier anders erlebt und will ich auch gerne mitnehmen.
Wir danken Ihnen herzlich und wünschen Ihnen für die kommenden Aufgaben viel Erfolg und alles Gute.