Am 4. Juni 2026 präsentierte die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (AHK Slowenien) im Rahmen ihrer jährlichen Pressekonferenz die Ergebnisse der 23. Umfrage zur Wirtschaftslage und zum Investitionsklima unter deutschen, internationalen und slowenischen Unternehmen in Slowenien.
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Stimmung im Vergleich zum Vorjahr. Während viele Unternehmen ihre eigene Geschäftslage weiterhin als stabil einschätzen, dominieren bei den gesamtwirtschaftlichen Aussichten Pessimismus, steigende Kosten und Unsicherheit.
Dr. Gabriele Rose, Präsidentin und Geschäftsführerin der AHK Slowenien:
„Während sich die allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten verschlechtern, bleiben viele Unternehmen in Slowenien stabil und blicken vorsichtig optimistisch auf ihre eigene Geschäftsentwicklung.“
Andrej Šafarič, Head of Legal and Compliance, Bayer d.o.o. Slovenia:
„Slowenien verfügt über alle Voraussetzungen, um ein erfolgreicher Investitionsstandort zu sein. Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass unsere politischen Rahmenbedingungen ebenso wettbewerbsfähig sind wie unser Potenzial.“
Evelyn Kassel, Geschäftsführerin der MAN Truck & Bus Slovenija d.o.o.:
„Wir müssen betrachten, in welchen Bereichen Slowenien erfolgreich ist, und jene positiven Aspekte identifizieren, die zur Attraktivität des Standorts beitragen. Gleichzeitig ist es ebenso wichtig, darüber zu sprechen, wo Verbesserungen notwendig sind, wo Unternehmen zusätzliche Unterstützung benötigen und welche Maßnahmen erforderlich sind, um langfristige Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum sicherzustellen.“
Jürgen Deischl, Geschäftsführer der Fraport Slovenija d.o.o.:
„Aus Sicht der Luftfahrt bleibt Fraport Slovenija vom langfristigen Potenzial Sloweniens überzeugt. Obwohl die Branche weiterhin mit Herausforderungen wie volatilen Kerosinpreisen und geopolitischen Unsicherheiten konfrontiert ist, sorgt die jüngste und im Vergleich besonders starke Erhöhung des Mindestlohns – deutlich über dem Niveau anderer südosteuropäischer Länder – für zusätzlichen strukturellen Kostendruck.
Dennoch verfügt Slowenien über starke Standortvorteile: von einer klaren Ausrichtung auf Qualitätstourismus und Nachhaltigkeit bis hin zu einer stetig verbesserten Anbindung. Der Markt hat sein volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft, und mit den richtigen Rahmenbedingungen sowie einer weiterhin engen Zusammenarbeit sehen wir erhebliche Chancen für nachhaltiges Wachstum. Formate wie die heutige Pressekonferenz sowie die Arbeit der AHK Slowenien leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Dialogs, zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses und zur Unterstützung eines wettbewerbsfähigeren Wirtschaftsumfelds.“
Zentrale Ergebnisse der AHK-Umfrage 2026
Die allgemeine wirtschaftliche Stimmung hat sich deutlich eingetrübt: Nur 9 % der befragten Unternehmen erwarten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, während 53 % von einer weiteren Verschlechterung ausgehen.
Auch der Arbeitsmarkt steht unter Druck. Die Beschäftigungserwartungen sind deutlich zurückgegangen; nur rund 20 % der Unternehmen planen Neueinstellungen, während fast 30 % einen Personalabbau erwarten.
Besonders stark belasten steigende Arbeitskosten die Unternehmen. 89 % rechnen mit höheren Personalkosten, wobei ein Drittel Lohnsteigerungen zwischen 6 und 10 % erwartet. Für 64 % der Unternehmen stellen die Arbeitskosten das größte Geschäftsrisiko dar. Weitere wesentliche Herausforderungen sind die Unsicherheit der Wirtschaftspolitik (54 %) sowie steigende Energiepreise (48 %).
Besorgniserregend ist zudem der Rückgang der Standorttreue. Nur noch 59 % der Unternehmen würden Slowenien erneut als Investitionsstandort wählen, gegenüber 80 % im Vorjahr. Gleichzeitig erwägt nahezu ein Drittel der Unternehmen eine Verlagerung innerhalb der Adria-Region.
Im regionalen Vergleich verliert Slowenien weiter an Wettbewerbsfähigkeit und belegt unter 14 mittel- und osteuropäischen Ländern lediglich Platz 12 bei den Standortfaktoren, Platz 13 bei den wirtschaftlichen Aussichten und den letzten Platz bei den Beschäftigungsplänen.
Zusätzlichen Druck erzeugen geopolitische Unsicherheiten sowie die weiterhin schwache wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, des wichtigsten Handelspartners Sloweniens. Vor diesem Hintergrund fordern 83 % der Unternehmen eine verlässliche und vorhersehbare Wirtschaftspolitik als wichtigste Priorität der Regierung.
Trotz der Herausforderungen bleibt Slowenien im regionalen Vergleich ein stabiler Markt. Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage verdeutlichen jedoch den wachsenden Handlungsbedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern und neue Investitionen anzuziehen.