Unsicherheit, geopolitische Spannungen und ein schwaches Wirtschaftswachstum werden zunehmend zur neuen Realität. Deshalb muss Europa seine Wettbewerbsfähigkeit stärken, die Integration des Binnenmarktes vorantreiben und bessere Bedingungen für die Finanzierung von Innovationen schaffen. Dies war die zentrale Botschaft von Prof. Dr. Joachim Nagel, Präsidenten der Deutschen Bundesbank, bei seinem Besuch in Ljubljana.
Die geopolitischen Verwerfungen mit immer neuen Herausforderugnen seien laut Nagel die „neue Normalität“. Seinen Worten zufolge sind die Zentralbanken dabei nicht mehr die Hauptakteure: „Wir sind nicht die Fahrer, sondern die Mitfahrer“, da die Entwicklung zunehmend von globalen politischen und sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen bestimmt wird.
Nagel betonte, dass sich Europa nicht auf Drittstaaten verlassen dürfe, sondern seine eigene wirtschaftliche und finanzielle Widerstandsfähigkeit stärken müsse. Zu den wichtigsten Prioritäten zählte er die Vollendung des europäischen Binnenmarkts und der Kapitalmarktunion, Investitionen in Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Produktivität sowie schnellere Entscheidungsprozesse auf EU-Ebene. Gleichzeitig warnte er, dass der derzeitige institutionelle Rahmen der Europäischen Union nicht ausreichend auf Krisensituationen ausgerichtet sei. „Wir brauchen schnellere Entscheidungen.“, so Nagel.
Dr. Primož Dolenc, der Gouverneur der Banka Slovenije, hob hervor, dass Europa mehr Entwicklungsinvestitionen, eine höhere Produktivität und besser abgestimmte Reformen benötige. Seiner Meinung nach leidet Slowenien nicht unter einem Mangel an Kapital, sondern unter einem Mangel an Mechanismen, die Ersparnisse effizient in Entwicklung und Innovationen lenken.
„Die slowenische Wirtschaft benötigt mehr Risiko- und Eigenkapital“, betonte Dolenc. Er wies darauf hin, dass das slowenische Finanzsystem nach wie vor zu stark von der Bankenfinanzierung abhängig ist, während innovative und schnell wachsende Unternehmen Zugang zu Risikokapital und zu stärker entwickelten Kapitalmärkten benötigen.
Unterdessen unterstrich die Präsidentin der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer, Dr. Gabriele Rose, die Bedeutung eines stabilen wirtschaftlichen Umfelds und der Kontinuität wirtschaftspolitischer Maßnahmen. „Kontinuität ist wichtig“, betonte sie und sprach sich für die Fortsetzung von Maßnahmen aus, die die Wettbewerbsfähigkeit stärken und ausländische Investitionen anziehen.
Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass Europa nur dann auch zukünftig erfolgreich sein kann, wenn es die Zusammenarbeit und Vernetzung vertieft, Reformen beschleunigt, verstärkt in Innovationen investiert und einen effizienteren Kapitalfluss in die Realwirtschaft sicherstellt.
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