In einer Zeit, in der der Verkehrs- und Logistiksektor zunehmend nach nachhaltigen und effizienten Lösungen sucht, gewinnt die Weiterentwicklung des Eisenbahnsystems entscheidend an Bedeutung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Investitionen in Infrastruktur, Fuhrpark und internationale Vernetzung rücken die Eisenbahn immer stärker in den Mittelpunkt moderner Mobilität und Logistik.
Der Beitrag beleuchtet die strategischen Entwicklungsrichtungen des Eisenbahnverkehrs in Slowenien, seine Bedeutung für nachhaltige Mobilität sowie seine Rolle innerhalb breiterer logistischer Ströme und der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die Slowenischen Eisenbahnen stehen in den letzten Jahren im Mittelpunkt umfangreicher Investitionen. Welche Projekte würden Sie als besonders wichtig für die zukünftige Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in Slowenien und seine logistische Wettbewerbsfähigkeit hervorheben?
In den vergangenen Jahren hat sich auf unseren Schienen sehr viel verändert. Um das Nutzungserlebnis unserer Fahrgäste zu verbessern und schnellere sowie komfortablere Reisen zu ermöglichen, haben wir als Eisenbahnverkehrsunternehmen erhebliche finanzielle Mittel in die Modernisierung unseres Fuhrparks investiert. Jährlich kommen neue, moderne Züge hinzu, während ältere Fahrzeuge schrittweise außer Betrieb genommen werden. Auch im Bereich der Infrastruktur sind deutliche Fortschritte sichtbar. Slowenien investiert in den letzten Jahren verstärkt in die Erneuerung und den Ausbau des nationalen Eisenbahnnetzes. Der Bau der zweiten Strecke zwischen Divača und Koper sowie die laufenden Modernisierungen weiterer Teile der öffentlichen Eisenbahninfrastruktur werden die Kapazität des slowenischen Netzes und die Wettbewerbsfähigkeit der slowenischen Logistikroute deutlich erhöhen. Eines der attraktivsten Projekte ist der lange erwartete Bau des neuen Personenverkehrszentrums in Ljubljana. Dabei handelt es sich um ein modernes Eisenbahnterminal, das zum zentralen Mobilitätsknotenpunkt Sloweniens werden soll. Dessen Kapazitäten werden die der heutigen Anlage deutlich übertreffen, da täglich mehr als hunderttausend Fahrgäste abgefertigt werden können. Die bestehenden Strecken sind derzeit nahezu vollständig ausgelastet, weshalb ein Ausbau des Netzes notwendig ist, um eine bessere Dienstleistung und höhere Zugfrequenzen zu gewährleisten. Angesichts des aktuellen Investitionstempos bin ich überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren erhebliche Fortschritte erzielen werden – nicht nur in Form neuer Streckenkilometer, sondern vor allem in der Qualität des gesamten Systems.
Welche Rolle spielen die Slowenischen Eisenbahnen beim Übergang zu nachhaltiger Mobilität, bei der Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks und bei der Erreichung der nationalen Umweltziele?
In der Unternehmensgruppe der Slowenischen Eisenbahnen sind nachhaltiges Wirtschaften und wirtschaftlicher Erfolg eng miteinander verbunden. Wir sind stolz darauf, unseren Fahrgästen und Geschäftspartnern Transportlösungen mit den niedrigsten Emissionen im landgebundenen Verkehr anbieten zu können. Unsere elektrischen Personenzüge werden bereits heute mit Strom betrieben, der zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Die Emissionen von Schienenfahrzeugen sind im Vergleich zum Jahr 2023 um 70 % gesunken. Durch die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit auf allen Ebenen unseres Handelns stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und schaffen neue Geschäftsmöglichkeiten. Ich bin überzeugt, dass die Slowenischen Eisenbahnen mit all diesen Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Transformation des Verkehrssektors spielen.
Neben dem Personenverkehr ist auch der Güterverkehr ein wichtiger Geschäftsbereich. Was sind die größten Herausforderungen und Chancen in diesem Segment? Welche Bedeutung haben der Hafen Koper und die Transitströme nach Mitteleuropa?
Die größte Herausforderung in diesem Bereich bleibt die eingeschränkte Kapazität der öffentlichen Eisenbahninfrastruktur. Dennoch suchen wir gemeinsam mit unseren Kunden täglich nach Lösungen für einen optimalen Transportablauf und sorgen für eine transparente Kommunikation über die Situation auf den Schienen. Die Modernisierung der öffentlichen Eisenbahninfrastruktur, insbesondere der Abschluss des Projekts „Zweite Strecke“, wird die Kapazität deutlich erhöhen und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens Koper stärken. Dieser stellt ein bedeutendes regionales strategisches Logistikzentrum sowie die nächstgelegene maritime Verbindung zwischen Mittel-, Ost- und Südwesteuropa und dem Mittelmeerraum dar. Besonders erfreulich ist, dass der slowenische Transport- und Logistiksektor im vergangenen Jahr trotz des Rückgangs der Industrieproduktion und des schwächeren Wirtschaftswachstums in der EU relativ erfolgreich agierte und seine Rolle als zentrale Verbindung zwischen der nördlichen Adria und Mitteleuropa behaupten konnte.
Die Wettbewerbsfähigkeit der Logistik ist entscheidend für eine exportorientierte Wirtschaft. Wie wichtig ist für Sie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und welche Ambitionen verfolgen Sie bei der Stärkung der Rolle Sloweniens als Logistikdrehscheibe?
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist für uns von zentraler Bedeutung und spiegelt sich entsprechend in unseren Entwicklungsplänen und Ambitionen wider. In der Produktion und im Vertrieb erweitern wir unser Leistungsangebot auf wichtige Märkte in der Region. Wir entwickeln Transportlösungen, die wir mit unseren eigenen Fahrzeugen nicht nur in Slowenien, sondern auch im Ausland anwenden. Durch den Eintritt in die Märkte der Nachbarländer und eine stärkere internationale Präsenz verlängern wir Transportketten und verbessern die Steuerung der Warenströme. Slowenien verfügt aufgrund seiner geografischen Lage über ein enormes Potenzial, doch dieses allein reicht nicht aus. Hochwertige Transportdienstleistungen sind ein entscheidender Entwicklungsfaktor für unsere Partner. Daher optimieren wir kontinuierlich unsere Arbeitsprozesse, um die Effizienz zu steigern, und investieren in Fuhrpark, Umschlagtechnik sowie die Digitalisierung zentraler Prozesse.