Herr Maco, herzlich willkommen in der Community der AHK Slowenien! Können Sie uns mehr über Ihr Unternehmen und dessen Zielsetzung erzählen?
Vielen Dank für die herzliche Begrüßung, Anja. CORWIN ist eine integrierte Immobilienentwicklungsgesellschaft, die 2010 gegründet wurde. Mit integriert meine ich, dass wir alles unter einem Dach machen. Wir haben einen eigenen Generalunternehmer, Projekt- und Baumanagement, Vertrieb, eine Marketing- und Rechtsabteilung sowie ein eigenes Property- und Facility-Management. Wir haben außerdem mehr als 140 Mitarbeiter, die ein gemeinsames Ziel verfolgen – die Stadt mittels nachhaltiger Projekte mit Weltklasse-Architektur und innovativen Lösungen erfolgreich zu entwickeln. Das ist etwas, was uns meiner Meinung nach wirklich vom Rest der Konkurrenz unterscheidet.
Was hat CORWIN dazu bewogen, in die slowenische Hauptstadt Ljubljana zu investieren?
2018 haben wir den Markteintritt in Ljubljana vorgenommen. Schon von Anfang an haben wir bei CORWIN gewusst, dass der Markt in Bratislava für unsere Ambitionen zu klein sein würde. Wir wollten uns nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland einen Namen machen. Also haben wir angefangen, nach Expansionsmöglichkeiten in benachbarten Märkten wie Tschechien oder Polen zu suchen. Da ich jedoch einen Teil meiner Studienzeit in Slowenien verbracht habe, habe ich eine starke Zuneigung zu Ljubljana entwickelt. In dieser Zeit habe ich auch Špela Videčnik, eine der bekanntesten zeitgenössischen Architektinnen aus Slowenien, kennengelernt, die schließlich in unser Team aufgenommen wurde. Sie hat uns bei unserem eindrucksvollsten Projekt in Bratislava, der Gestaltung der Fassade des Einpark Offices, geholfen. Dieses ist ein LEED-Platin-zertifiziertes Gebäude, d. h. es gehört zu den TOP 1 % der nachhaltigsten Gebäude der Welt und ist das umweltfreundlichste Gebäude in der Slowakei. Nach dem Erfolg unserer Zusammenarbeit beim Einpark hat uns Frau Videčnik auf Slowenien aufmerksam gemacht. Wir haben schnell erkannt, dass Ljubljana zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten bietet, da es große Synergiepotenziale zwischen unserem nachhaltigen Bauansatz und der bahnbrechenden Verwaltungspolitik der Stadt Ljubljana, die grünste Hauptstadt Europas zu schaffen, gibt. Frau Videčnik ist auch die Architektin des Projekts Kvartet, unserem ersten Wohnprojekt hier in Slowenien.
Wie schätzen Sie den slowenischen Markt ein und wie ist es, als ausländischer Investor in Slowenien tätig zu sein?
Er hat sicherlich viel Potenzial. Auf dem slowenischen Markt herrscht ein allgemeiner Mangel an Wohnraum und hochwertigen Büroflächen. Es gibt zwar einige neuere Projekte und die Nachfrage ist nach wie vor hoch, aber die Mehrheit der bestehenden Büroflächen ist stark veraltet. Darüber hinaus hat die Finanzkrise in den Jahren 2008 bis 2012 die Projektentwicklungen und Investitionen in die Stadt generell dauerhaft geprägt. Vor allem als ausländischer Investor muss man sich zunächst das Vertrauen aller beteiligten Akteure erarbeiten. Wir stehen jedoch derzeit mit der Stadtverwaltung von Ljubljana in einem äußerst konstruktiven Dialog. Seitens der Stadtverwaltung gibt es eine klare Vision, die Regeln sind transparent und die Erwartungen beider Seiten werden deutlich kommuniziert. Wie ich bereits erwähnt habe, entwickelt sich die Zusammenarbeit äußerst positiv, denn es gibt zwischen der Vision der Stadt Ljubljana und unserem nachhaltigen Ansatz große Überschneidungen.
Michal Maco: “Er hat sicherlich viel Potenzial. Auf dem slowenischen Markt herrscht ein allgemeiner Mangel an Wohnraum und hochwertigen Büroflächen. Es gibt zwar einige neuere Projekte und die Nachfrage ist nach wie vor hoch, aber die Mehrheit der bestehenden Büroflächen ist stark veraltet.”
Als Sie zum ersten Mal nach Slowenien kamen, wie war Ihre Wahrnehmung hinsichtlich nachhaltiger oder „grüner“ Büros und hat sie sich seitdem verändert?
Der Büromarkt in Slowenien weist Entwicklungspotenzial auf. Die meisten Bürogebäude sind zwischen 20 und 50 Jahre alt. Seitdem haben sich das Design, die Technologien und die Art und Weise, wie die Räume des Gebäudes auf die Menschen wirken, drastisch verändert. Diese alten Gebäude sind technologisch nicht mehr „up to date“ und können daher die Anforderungen eines modernen und nachhaltigen Unternehmens nicht erfüllen. Als wir uns zum ersten Mal an potenzielle Kunden unseres Vilharia-Projekts gewandt haben, haben wir festgestellt, dass die Unternehmen nur sehr wenig über die Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Büros wissen. Bei dem Vilharia-Projekt handelt es sich ebenfalls um ein LEED-Platin-vorzertifiziertes Gebäude, das das erste kohlenstoffneutrale Bürogebäude in Slowenien werden soll. Es besteht eine große Wissenslücke darüber, was für einen Einfluss die Immobilien auf die Menschen haben und wie nachhaltiges Design die Leistung eines Unternehmens und die Gesundheit von dessen Mitarbeitern verbessern kann. Genau das wird im Zuge von LEED untersucht. Diese Thematik wird nun bereits seit einem Jahrzehnt von uns aktiv analysiert, um den jetzigen Zustand zu verbessern. Wir sind daher bereit, diese Diskussion voranzutreiben und aus erster Hand zu zeigen, welche Vorteile ein grüner Arbeitsplatz mit sich bringen kann.
Michal Maco: „Es besteht eine große Wissenslücke darüber, was für einen Einfluss die Immobilien auf die Menschen haben und wie nachhaltiges Design die Leistung eines Unternehmens und die Gesundheit, von dessen Mitarbeitern verbessern kann.“
Was sind die wichtigsten Vorteile eines „grünen“ Arbeitsplatzes?
Zunächst einmal geht es um den Aspekt des Wohlbefindens und der Gesundheit. Menschen, die in grünen Bürogebäuden arbeiten, sind weniger krank, sie sind produktiver, motivierter und daher zufriedener. Weiterhin hat ein Unternehmen dank der Technologien, die weniger Energie verbrauchen und die Betriebseffizienz erhöhen, einen geringeren ökologischen Fußabdruck.
CORWIN setzt sich stark für die Wiederbelebung verlassener Stadtviertel ein. Können Sie uns mehr darüber erzählen?
Die Wiederbelebung von Industriegebieten ist eine der wichtigsten Säulen unseres Auftrags als Bauunternehmen. Wir setzen uns nachdrücklich dafür ein, Städte kompakter und grüner zu gestalten und so eine unnötige Zersiedelung, die eine Vielzahl negativer ökologischer und wirtschaftlicher Auswirkungen mit sich bringt, zu verhindern. Diese Auswirkungen können von der Ausdehnung auf die umliegenden Felder und die Natur bis hin zur zunehmenden Abhängigkeit vom Individualverkehr und der Verschärfung der Verkehrsprobleme gehen, die durch lange Pendlerwege verursacht werden. In Bratislava haben wir bereits mehrere vernachlässigte Industriegebiete in der Innenstadt in lebendige Stadtviertel umgewandelt, die den lokalen Gemeinschaften zugutekommen. In Ljubljana gibt es viele heruntergekommene, mit Beton bedeckte Gebiete, die Staub und Wärmeinseln erzeugen. Diese sind vor allem in der Nähe des Hauptbahnhofs zu finden. Solche Gebiete haben ein enormes Potenzial, Ljubljana zu einer wirklich kompakten und gut vernetzten Stadt zu machen.
Planen Sie irgendwelche spannenden Projekte, die Sie mit uns teilen möchten?
Wir sind momentan dabei, den Bau unseres ersten Wohnprojekts Kvartet abzuschließen. In Kürze werden wir die letzten verfügbaren Wohnungen in den oberen Stockwerken der vier Türme auf den Markt bringen. Unter dem Namen Kvartet Skyline Edition werden sie hohe Decken, große Terrassen und einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und die Alpen bieten. Wir sind auf dem besten Weg, im Herbst mit dem Bau unseres Vilharia-Projekts zu beginnen. Nach seiner Fertigstellung wird es das größte und nachhaltigste Bürogebäude in Slowenien und eines der wenigen LEED-Zero-Carbon-zertifizierten Gebäuden weltweit sein.
Wir haben weiterhin Anfang dieses Jahres den Eigentumserwerb von Grundstücken in den Straßen Linhartova und Masarykova angekündigt. Das Projekt in der Linhartova befindet sich derzeit in der Planungsphase. An dem Projekt arbeiten Gehl Architects, eines der weltweit besten Stadtplanungsbüros, wie auch das ausgezeichnete österreichische Architekturbüro AllesWirdGut, mit dem wir bereits bei einem Projekt in Bratislava zusammengearbeitet haben. Das Projekt in der Masarykova befindet sich noch im Anfangsstadium, aber ich kann schon jetzt sagen, dass es sich um ein nachhaltiges Projekt der Spitzenklasse handeln wird, wie es für CORWIN üblich ist. Darüber hinaus wird der Turm auf der Masarykova ein Wahrzeichen und ein symbolischer Eingangspunkt zum Zentrum von Ljubljana werden. Aus diesem Grund soll das Projekt von einem der besten Architekturbüros der Welt konzipiert werden.
Interview: Anja Slekovec
CORWIN ist ein Business Partner des Nachhaltigkeitsprojekts #FitForSustainability. Mehr über das Projekt erfahren Sie hier.