Wissen bleibt Macht

Wissen war schon immer Macht, doch nie zuvor war dieses Wissen – und somit das Unternehmen selbst – so angreifbar.

  • © AHK Slowenien

Es ist der Albtraum eines jeden Geschäftsführers: Ein Mitarbeiter verlässt das Unternehmen, und am nächsten Tag sind sensible Daten verschwunden, langjährige Kunden brechen die Zusammenarbeit ab und ziehen mit dem scheidenden Arbeitnehmer von dannen. Das Management muss oft hilflos zusehen und empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen.

Wissen war schon immer Macht, doch nie zuvor war dieses Wissen – und somit das Unternehmen selbst – so angreifbar. Der demografische Wandel hat nicht nur zur Folge, dass ganze Heerscharen von Mitarbeitern, die in den 50er und 60er Jahren geboren wurden, mit ihrem unternehmensspezifischen Wissen in Rente gehen; er verringert auch das Arbeitnehmerangebot, da Mitarbeiter viel leichter das Unternehmen wechseln können. Gleichzeitig sind die Unternehmensdaten und damit auch deren DNS durch die Digitalisierung viel verletzbarer: Die Wissenshoheit liegt längst nicht mehr allein beim Unternehmenseigentümer oder Geschäftsführer.

Wenn ein Mitarbeiter geht

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland wird von heute rund 40 Millionen auf etwa 25 Millionen im Jahr 2040 sinken. Zwangsläufig steigt der Anteil der über 60-Jährigen. Schon heute, so ergab eine Analyse der Unternehmensberatung Databyte, sind etwa 10 % der rund eine Million Geschäftsführer in Deutschland 65 Jahre und älter. Slowenien bestätigt vergleichbare Zahlen. Laut dem deutschen Ministerium für Wirtschaft und Energie treffen über 50 % der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland keinerlei Maßnahmen, um das Wissen ausscheidender Mitarbeiter zu bewahren. Die Folgen sind verheerend.

Wenn ein Unternehmen einen Mitarbeiter ersetzt, können die daraus entstehenden Kosten laut den Studien bis zu 150 % des Jahresgehalts des Mitarbeiters betragen: So fallen zum einen Recruiting-Kosten an, zum anderen dauert es im Schnitt über drei Monate, bis der neue Mitarbeiter voll einsatzbereit ist. In dieser Zeit fällt auch die Arbeitskraft aus, die den Mitarbeiter einarbeitet. Und selbst nach der besten Einarbeitung ist der Mitarbeiter selten auf dem Wissensstand seines Vorgängers. Das Unternehmens- und Branchenwissen, über das ein langjähriger Mitarbeiter verfügt, ist in den seltensten Fällen messbar und transparent. Ebenso verhält es sich mit dessen Kunden- und Kollegenbeziehungen.

Ein gutes Management bereitet Abgänge vor, bestätigt auch Miro Smrekar, Geschäftsführer von Adecco Slowenien: „Sie kümmern sich zeitnah um das Erbsystem, treffen eine geeignete Übergabe, ein Exit-Interview und kümmern sich natürlich um die gewünschte Fluktuation. Um Wissen und Informationen im Unternehmen zu erhalten, bieten sie auch technologische Systeme zur Verwaltung von Kundeninformationen, Archiven und Handbüchern.“

Gefahr von außerhalb

Deutlich ohnmächtiger sind Unternehmen, wenn das eigene Wissen durch kriminelles Zutun verloren geht. Jedes zweite Unternehmen in Europa ist schon einmal Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden. Nach den Ergebnissen einer Studie des Digitalverbands Bitkom entsteht allein der deutschen Industrie ein Gesamtschaden von rund 51 Milliarden Euro. 

Schon jetzt ist die wachsende Zahl von Datendiebstählen alarmierend – und die Dunkelziffer hoch. Denn aus Angst vor Imageschäden ziehen es Unternehmen häufig vor, Angriffe nicht zu melden.

Geschrieben von Anne-Kathrin Velten.Weitere Informationen zu Datendiebstahl und welcher Schutz am effektivsten ist, finden Sie in der neuesten Ausgabe der Ambition.

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