Stabile wirtschaftliche Entwicklung mit mangelnder Voraussicht

Ljubljana, 10. April 2018 – Das wirtschaftliche Umfeld in Slowenien ist nach den Bewertungen der Unternehmen mit deutschem Kapital in Slowenien im Vorjahresvergleich besser; optimistisch sind auch die Schätzungen für das laufende Jahr. In der Umfrage der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer liegt Slowenien nach Attraktivität als Investitionsstandort auf Platz 1 unter den MOE-Ländern. Trotz besserer Bewertungen in allen Standortfaktoren im Vorjahresvergleich, wird Slowenien noch immer durch das unflexible Arbeitsrecht und hohe Besteuerungen begrenzt.

  • © AHK Slowenien

Die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer stellte am Dienstag die Ergebnisse der jährlichen Konjunkturumfrage bei Unternehmen mit deutschem Kapital in Slowenien vor. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen die positiven Einschätzungen der wirtschaftlichen Situation in Slowenien und der Optimismus der Unternehmen. Ihrer Meinung nach stabilisieren sich die Aussichten der slowenischen Wirtschaft gleichem Niveau wie im vergangenen Jahr – auf hohen Level. Auch auf die eigene Geschäftslage und die Lage in den Wirtschaftsbereichen blicken die Unternehmen positiv. Die Daten weisen auf eine stabile Investitionspolitik der Unternehmen mit deutschem Kapital in Slowenien hin. Zukünftige Investitionen fließen in Weiterbildung, Digitalisierung, Produktentwicklung und Produktionserweiterung. Dennoch sind Unternehmen mit einem Fachkräftemangel konfrontiert, den sie versuchen durch Umschulungen, Rationalisierung, Beschäftigung von Ausländern und innerbetrieblichen Weiterbildungen zu lösen.

Ein ansonsten gutes Umfeld begrenzen hohe Beitragssätze

Die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer beurteilt das wirtschaftliche Umfeld anhand 21 Standortfaktoren, unter denen die Unternehmen dieses Jahr fast alle besser bewertet haben als im Vorjahr. Die größten Verbesserungen sahen die Unternehmen in Bereichen politische, soziale und wirtschaftliche Stabilität, Zahlungsdisziplin, Bekämpfung der Korruption und der Transparenz bei der öffentlichen Auftragsvergabe. Traditionell haben die Teilnehmer der Umfrage unter den Standortfaktoren in Slowenien die EU-Mitgliedschaft, die Mitarbeiterproduktivität und die Zufriedenheit mit lokalen Lieferanten positiv bewertet. Slowenien zählt zwar zu den Ländern mit den besten Bedingungen für Forschung und Entwicklung, aber wird seit drei Jahren wegen der Arbeitsmarktflexibilität, der Rigidität des Arbeitsrechts, des Steuersystems und der Steuerlast stark kritisiert.

2015–2018: Slowenien gewinnt an Stabilität – mit einem bitteren Nachgeschmack

Besonderes Augenmerk erfuhr in diesem Jahr der Vergleich mit 2015. Anhand dessen können die Erfolge der letzten slowenischen Regierung beurteilt werden. In der andauernden Legislaturperiode etablierte sich ein spürbar besseres wirtschaftliches Umfeld und verbesserte sich die Wirtschaftslage, die auch auf Entwicklung der Weltmärkte und die globale und vor allem europäische Konjunkturerholung zurückzuführen ist. Im Vergleich zu den Ländern Mittel- und Osteuropas verbesserte Slowenien seine Position in Bezug auf die politische und soziale Stabilität, die Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik, die Bekämpfung der Korruption, die Transparenz öffentlicher Ausschreibungen und die Qualität der Hochschulbildung.

Ein wettbewerbsfähiges Umfeld – ohne Ausrichtung auf die Zukunft

Die MOE-Konjunkturumfrage führt die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer zusammen mit anderen deutschen Auslandshandelskammern (AHK) in den Ländern Mittel- und Osteuropas seit 2006 durch. Die Präsidentin der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer Gertrud Rantzen äußerte sich zu den diesjährigen Ergebnissen mit der folgenden Aussage: „Slowenien ist zum siebten Mal in Folge auf Platz 5 nach der Attraktivität der Länder gewählt worden. Trotz der Tatsache, dass es Slowenien seit 2015 gelungen ist, die Korruption einzudämmen, die Transparenz öffentlicher Ausschreibungen zu verbessern und politische, soziale und wirtschaftliche Stabilität zu erreichen, gibt es noch immer Bereiche, wo Slowenien seit den letzten drei Jahren die letzten Plätze belegt. Die Bedingungen für Forschung und Entwicklung in Slowenien gehören zu den besten in der Region. Wenn wir eine gute Arbeitskraft, die Qualität der lokalen Lieferanten und die Qualifikation der Arbeitnehmer hinzufügen, kann man sagen, dass Slowenien ein exzellenter Standort für ausländische Produktionsunternehmen ist. Dennoch fehlt die Ausrichtung in die Zukunft. Trotz ausgezeichneter Bewertungen wird es notwendig sein, das Hochschulsystem an die Bedürfnisse der Arbeitgeber anzupassen. Was will Slowenien auf dem Gebiet des Arbeitsrechts und der Beiträge und Abgaben aus Bruttolöhnen tun? Nicht zuletzt ist auf diesem Gebiet trotz einiger Bemühungen in den letzten Jahren keine Bewegung zu erkennen. In letzter Zeit sehen wir einen Mangel an qualifizierten zu hochgebildeten Arbeitnehmern, die einen Mehrwert schaffen und in Zukunft aus dem Ausland angeworben werden müssen. Maßnahmen in diesen Bereichen sind notwendig, um ein nachhaltiges Wachstum der slowenischen Wirtschaft und eine menschenwürdige Zukunft für die nächsten Generationen zu gewährleisten.“

Die Vizepräsidentin der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer und Geschäftsführerin von Schenker d.d. Valerija Špacapan Friš hat die Ergebnisse der Umfrage mit den Erfahrungen des Konzerns, der an 2.000 Standorten weltweit tätig ist, verstärkt: „Slowenien ist wegen seiner zentralen geografischen Lage, der schnellen Verbindungen zu den wichtigsten europäischen Zentren und dem Hafen Luka Koper ein wichtiger Zugangspunkt für ausländische Unternehmen, die auf den europäischen Markt kommen. Um den Bedürfnissen der Investoren gerecht zu werden und die Attraktivität Sloweniens zu erhöhen, werden Infrastrukturinvestitionen wie „Das zweite Gleis“ und „Die dritte Entwicklungsachse“ benötigt. Wir brauchen eine entsprechende Infrastruktur und geeignete Grundstücke. Bei der Durchführung von Projekten dürften Verwaltungsverfahren zur Erlangung verschiedener Genehmigungen und bürokratischer Vorschriften kein Hindernis und kein Hemmnis für den wirtschaftlichen Fortschritt sein. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, wird jedoch eine Verringerung der Lohnbelastung erforderlich sein, insbesondere angesichts von Arbeitskräftemangel und der Beziehung Arbeitgeber – Arbeitnehmer, die sich radikal verändert.“

Initiativen der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer

Die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer unterstützt auch im diesen Jahr slowenische Unternehmen durch die Organisation von B2B-Match-Making-Meetings mit deutschen Lieferketten. In der zweiten Jahreshälfte werden Wirtschaftler die Möglichkeit haben sich im Rahmen der Wirtschaftsdelegation Smart Factory digitalisierte Produktionseinheiten in Deutschland genauer anzusehen. Außerdem setzt sich die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer zusammen mit anderen slowenischen Wirtschaftsorganisationen für eine geringere Differenz zwischen Brutto- und Nettogehalt aller Beschäftigten in Slowenien ein.

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