DIHK-Konjunkturumfrage: Konjunktur auf Talfahrt

Am 30. Oktober 2019 veröffentlichte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Herbst-Konjunkturumfrage der IHK-Organisation. Die aktuelle Erhebung beruht auf rund 28.000 Unternehmensantworten, die so pessimistisch ausgefallen sind wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr.

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Seit der Finanzkrise 2008/2009 hat der DIHK von den Unternehmen nicht mehr so pessimistische Antworten bekommen. In normalen Zeiten hatte Deutschland ein durchschnittliches Exportwachstum von 5,5 Prozent. Für 2020 rechnet der DIHK bei den Ausfuhren mit Stagnation – oder sogar mit einem leichtem Rückgang (minus 0,5 Prozent). Für die deutsche Volkswirtschaft mit ihrem starken Industriekern, ist das eine riesige Herausforderung. Dies gilt umso mehr, da derzeit eine Gemengelage entsteht, die einerseits von einer normalen konjunkturellen Abkühlung geprägt ist; zu der darüber hinaus Faktoren hinzukommen, die technologisch und politisch bedingt sind.

Wie die Herbst-Umfrage zeigt, verschlechtern sich Lage und Erwartung gerade in der Industrie erheblich. Infolgedessen schwächelt auch zunehmend die Inlandsnachfrage. Allerdings profitieren Einzelhandel und Tourismus vom bis dato verlässlichen Binnenkonsum und blicken weiterhin auf stabile Geschäfte zurück. Dagegen sorgen wachsender Protektionismus, eskalierende Handelskonflikte und der Brexit für sehr schwache Erwartungen im Auslandsgeschäft. Fast jedes zweite Exportunternehmen sieht in der schleppenden internationalen Nachfrage mittlerweile ein Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung. Infolge der trüben Aussichten und der greifbaren Verunsicherung in vielen Branchen sinken die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Unternehmen zum fünften Mal in Folge. Das größte Geschäftsrisiko bleibt aus Sicht der Betriebe jedoch weiterhin der Fachkräftemangel.

Insgesamt erwartet der DIHK für 2019 ein BIP-Wachstum von 0,4 Prozent, nachdem er im letzten Herbst mit 1,7 Prozent aus damaliger Sicht schon zurückhaltend gestartet ist. Dank sogenannter Kalendereffekte (4 Arbeitstage mehr) könnte es im nächsten Jahr für ein Wachstum von 0,5 Prozent reichen.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer bewertet die konjunkturelle Entwicklung als "besorgniserregend". Die Bundesregierung solle "dringend agieren", so seine Mahnung. Als mögliche Maßnahmen nennt er unter anderem eine Initiative zur Wiederbelebung der Welthandelsorganisation, die überfällige Unternehmensteuerreform, aber auch Investitionen in kluge Köpfe und in eine moderne Infrastruktur.

Über die Umfrage

Mit der aktuellen Auswertung „Konjunktur auf Talfahrt“ präsentiert der DIHK die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage von den Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland, welche dreimal pro Jahr erscheint. Grundlage für die DIHK-Ergebnisse sind Befragungen der Unternehmen durch insgesamt 79 IHKs. Im Herbst 2019 haben die IHKs rund 28.000 Antworten ausgewertet.

Quelle: DIHK

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