Industrie 4.0 aktiv mitgestalten

Bis die Informations- und Kommunikationstechnologien die Wertschöpfungskette der Betriebe komplett durchdrungen haben, ist noch einiges zu tun. Wir befinden uns an der Schwelle zum digitalen Zeitalter, welches uns viele Vorteile und Chancen eröffnet, aber ohne richtige Vorbereitung auch viele Risiken und Fallstricke birgt.

Zusammenfassend besteht in acht Geschäftsfeldern Handlungsbedarf:

1. Standardisierung und Referenzarchitektur

Industrie 4.0 steht für integrierte Wertschöpfungsnetzwerke und firmenübergreifende Verflechtung. Um eine Basis für gemeinschaftliche Zusammenarbeit zu schaffen, braucht es einheitliche Standards. Darüber hinaus ist eine Referenzarchitektur für die technische Beschreibung und deren Umsetzung vonnöten.

2. Beherrschung komplexer Systeme

Mit zunehmender Digitalisierung werden viele Prozesse einfacher, die Produkte oder Produktionssysteme selbst aber z.T. immer komplexer. Um dieser Komplexität Herr werden zu können, braucht es adäquate Planungs-, Erklärungs- und Geschftsmodelle, die von geschulten Mitarbeitern umgesetzt werden. Den Ingenieuren von Morgen müssen entsprechende Werkzeuge und Methoden an die Hand gegeben werden, um derartige Modelle entwerfen zu können.

3. Flächendeckende Breitbandstruktur für die Industrie

Um die Prozesse über Informations- und Kommunikationstechnologien, auch auf Distanz, koordinieren zu können, muss eine flächendeckende, ausfallsichere Kommunikationsstruktur höchster Qualität gegeben sein. Experten fordern daher die derzeit noch teilweise unzureichende Breitband-Internet-Infrastruktur stark auszubauen.

4. Sicherheit

Für die neuen, intelligenten Produktionssysteme sind vor allem die Betriebs- und Angriffsicherheit erfolgskritische Variablen. Einerseits dürfen von den Produkten und Produktionsanlagen keine Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen, andererseits müssen die Anlagen und Produkte selbst vor unbefugten Zugriffen und Missbräuchen geschützt werden. Dies beinhaltet insbesondere in den Systemen enthaltene Daten und Informationen. Um dies zu gewährleisten, müssen beispielsweise Sicherheitsstrukturen und eindeutige Identitätsnachweise integriert werden, welche von Aus- und Weiterbildungsinhalten adäquat zu ergänzen sind.

5. Arbeitsorganisation und -gestaltung

Die Industrie 4.0 bringt nicht nur Veränderungen für die Industrie selbst, sondern in erster Linie für die Beschäftigten. Die sich stetig intensivierende Steuerung in Echtzeit hat Einfluss auf die Arbeitsinhalte-, -prozesse-, -umgebungen und -weise.
Stärkere Eigenverantwortung wird zu einer Kernkompetenz der Arbeiter werden, die auch die Möglichkeit zur besseren Selbstenfaltung und -verwirklichung bietet. Referenzprojekte sollten als Maßstab fungieren, um die neue, mehr partizipativ-angelegte Arbeitsweise zu umrahmen. Lebensbegleitende Qualifikationsmaßnahmen sollten im Fokus von Aus- und Weiterbildung stehen.

6. Aus- und Weiterbildung

Durch Industrie 4.0 werden sich die Anforderungs- und Kompetenzprofile der Mitarbeiter z.T. massiv ändern. Traditionelle Aufgabenbereiche können zusammengeführt und neue Arbeitsfelder geschaffen werden. Dafür sind kompatible Qualifizierungsstrategien und eine lernfreundliche Arbeitsorganisation unabdingbar, die lebensbegleitendes Lernen und arbeitsplatznahes Weiterbilden ermöglichen. Vor allem digitale Lerntechniken und -kompetenzen müssen gefördert werden.

7. Rechtliche Rahmenbedingungen

Damit Veränderungen klar und (rechtlich) einwandfrei ablaufen können, muss ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, der die neuen Produktionsprozesse und horizontalen Geschäftsnetzwerke regelt. Zu den Herausforderungen zählen der Schutz von Unternehmensdaten, Haftungsfragen, der Umgang mit personenbezogenen Daten und Handelsbeschränkungen. Gefragt ist nicht nur der Gesetzgeber, sondern vor allem die Wirtschaft: Leitfäden, Musterverträge und -betriebsvereinbarungen oder Selbstregulierungen wie Audits sind mögliche Ansätze.

8. Ressourceneffizienz

Die Digitalisierung der Industrie wird viele Arbeitsbereiche ökonomischer machen. So können auch Kosten und idealerweise zugleich Umwelt- und Versorgungsrisiken minimiert werden. Der traditionell hohe Rohstoff- und Energiverbrauch der Industrie kann durch Industrie 4.0 in gesteigerte Ressourcenproduktivität und -effizienz transformiert werden. Dabei soll die Fabrik von Morgen ("Smart Factory") eventuelle Trade-Offs und/oder Einsparpotenziale bei zusätzlichem Ressourceneinsatz ermitteln können.

Die AHK Slowenien organisiert im Themenjahr 2017 zahlreiche Veranstaltungen zum Thema "Smart Business, Smart People". Dabei werden Sie die Möglichkeit haben sich sowohl fachlich weiterzubilden als auch in angenehmer Atmosphäre Networking-Gelegenheiten wahrzunehmen.

Bei Fragen zu den Veranstaltungen wenden Sie sich bitte an Herrn Žiga Fišer.