Made in Germany: Gefährdet die Digitalisierung das Qualitätssiegel?

08.06.17

„Made in Germany“: Das Prädikat steht international weiterhin für Qualität – auch wenn viele Teile der Produktion längst ausgelagert sind und in anderen Ländern durchgeführt werden. Durch den hohen Anspruch in der Vor- und Endfertigung zählt Deutschland seit vielen Jahrzehnten zu den führenden Exportnationen weltweit. Doch im Zuge der Digitalisierung und allumfassenden Vernetzung könnte dieser Status gefährdet sein.

Industrie 4.0 fordert innovative Denke 

Die deutsche Produktionsbranche hat bereits darauf reagiert und unter dem Buzzword  "Industrie 4.0" Projekte zur Verzahnung der Herstellung mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien ins Leben gerufen. Diese werden auch von der Bundesregierung im Rahmen eines Zukunftsprojekts sowie der Plattform Industrie 4.0 unterstützt. Doch was bedeutet der Begriff eigentlich? Das zentrale Ziel von Industrie 4.0 ist eine höhere Flexibilität der Produktion bis hin zur individuellen Herstellung von Einzelstücken. Dazu verbinden Fertigungsunternehmen ihre Verteil-, Betriebs- und Produktionsnetze mit den IT-Netzen. Durch eine weitgehend automatisierte Computer-basierte Steuerung lässt sich die Produktion praktisch in Echtzeit an neue Anforderungen anpassen. 

Industrie für Deutschland entscheidend

Damit ist Industrie 4.0 weit mehr als nur die Entwicklung intelligenter Geräte, wie dem schon fast sprichwörtlichen Kühlschrank, der automatisch Lebensmittel nachbestellt, wenn diese zur Neige gehen. Gerade die Herstellung von Produkten ist für die deutsche Wirtschaft extrem wichtig. Schließlich trägt das produzierende Gewerbe rund ein Drittel der gesamten Wertschöpfung bei. Dazu zählen vor allem die Autoindustrie, die Ernährungsbranche sowie Chemie, Metallverarbeitung und Maschinenbau. Eine umfassende Digitalisierung und Vernetzung hilft dabei, die Produktionsprozesse zu optimieren und Kosten zu senken.


Das Service-Dilemma

Gleichzeitig ermöglicht die Digitalisierung neue Wertschöpfungspotenziale. Denn in einem Zeitalter, in dem sich Menschen, Prozesse, Daten und Dinge immer nahtloser miteinander verbinden lassen, können Hersteller ihre Produktionsanlagen sehr schnell weiterentwickeln, um ihren Service zu verbessern. Das Dilemma: Trotz der vorhandenen Bereitschaft zum Handeln haben bislang nur wenige Hersteller Studien zufolge den Übergang zu Servicemodellen erfolgreich vollzogen. 

Digitalisierung beschleunigt Service-Orientierung

Die Lösung des Problems sehen Experten in einer verstärkt digitalen Ausrichtung der Prozesse. Denn neue Technologien begünstigen häufig Geschäftsmodelle, die Innovation, Effizienz, Nachhaltigkeit und Kosteneinsparungen fördern. Solche Fortschritte bei der Automatisierung von Prozessen veranlassen viele Unternehmen wiederum, ihre Gesamtstrategie zu überdenken. Das Ziel: Mit der gewonnenen Flexibilität lassen sich die komplexen Anforderungen eines serviceorientierten Geschäftsmodells leichter, schneller, effizienter und zu geringeren Kosten zu bewältigen. 

Quelle: Handelsblatt